Erfolgsstories im Jubiläumsjahr: Der Hilti-Werkzeugkoffer
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Erfolgsstories im Jubiläumsjahr: Der Hilti-Werkzeugkoffer


Im Rahmen unseres 70-jährigen Jubiläums erzählen wir in diesem Jahr jeden Monat eine Erfolgsstory aus der Historie von PLASTON. Geschichten, die zeigen, wie unser Unternehmen gewachsen ist – durch Überzeugung, Mut und Ausdauer. Den Anfang macht unser Ehrenpräsident Roland Frei selbst. Und zwar mit einer Geschichte, wie es zum Auftrag für die bekannten Hilti-Werkezugkoffer kam.

 

„Spuren hinterlassen Menschen, die an eine Idee glauben 
und sie hartnäckig und erfolgreich umsetzen.“

 

Dieses Zitat begleitet mich seit vielen Jahren. Und kaum eine Geschichte aus der PLASTON-Historie passt besser dazu als jene des Hilti-Werkzeugkoffers. 1966 feierte PLASTON sein 10-jähriges Jubiläum. Wir waren ein junges Unternehmen, aber bauten bereits zum vierten Mal aus.

 
Wachstum war Teil unserer DNA
 
In dieser Zeit informierte uns Hilti darüber, dass sie ihr eigenes Kunststofflabor auflösen würden. Die Kunststoffindustrie hatte inzwischen genügend Know-how aufgebaut, um Produkte in der von Hilti geforderten Qualität zu liefern.
 
Der damalige Einkaufschef bei Hilti, Herr Küng, machte meinen Vater Hans Frei auf diesen Schritt aufmerksam – mit dem Hinweis: „Vielleicht kann PLASTON das eine oder andere Laborgerät gebrauchen.“ Zu dieser Zeit waren wir bereits Lieferant von verschiedenen technischen Kunststoffteilen, etwa Griffen und Motorgehäusen aus verstärktem Polyamid. Mein Vater und ich besuchten daraufhin das Hilti-Lager in Bendern, wo uns Herr Küng erwartete.
 
Geburt einer Idee
 
Wir kauften aus dem Angebot einen Heraeus-Trockenschrank, um unsere eigene Anlage zu ergänzen. Doch während dieses Besuchs fiel uns etwas anderes auf: ein riesiger Stapel roter Hilti-Werkzeugkoffer – damals noch aus Blech gefertigt.
 
Mein Vater sagte spontan zu Herrn Küng: „Diese Koffer könnte man doch auch aus Kunststoff herstellen.“ Seine Antwort war eindeutig: „Vergessen Sie das, Herr Frei. Wir wollen keine Probleme mit den Koffern.“ Auf der Heimfahrt sagte ich zu meinem Vater nur einen Satz: „Ich werde Hilti einen Kunststoffkoffer verkaufen.“
 
Überzeugung braucht Ausdauer
 
Was folgte, war ein langer Weg. Ich war überzeugt, dass ein Kunststoffkoffer dem Blechkoffer klar überlegen sein musste: Er rostet nicht, scheppert nicht, verbeult nicht, wenn er vom Baugerüst fällt. Er ist leichter und er lässt sich deutlich vielseitiger gestalten.
 
Zwei Jahre zuvor hatte ich als einziger Schweizer an der Rheinisch-Westfälischen Hochschule meine Prüfung als Industriemeister für Kunststofftechnik erfolgreich abgeschlossen. Das gab mir nicht nur Fachwissen, sondern auch Argumente.
 
Ich fertigte erste Kofferprototypen durch Warmverformung an und präsentierte sie im Einkaufsbüro von Hilti. Um ihre Stabilität zu demonstrieren, legte ich einen Prototypen auf den Boden, sprang aus einem Meter Höhe darauf und landete mit meinem vollen Gewicht darauf. Ich war damals 29 Jahre alt, Kunstturner und entsprechend fit.
 
Die Reaktion: beeindruckt, aber kritisch. Es kamen viele Fragen: Wie verhält sich der Koffer bei minus 20 Grad? Was passiert mit der Maschine im Inneren bei einem Sturz aus drei Metern Höhe? Ich konnte nicht alles beantworten. Denn meine bisherigen Prototypen waren entweder tiefgezogen oder aus verschweißten Kunststoffplatten gefertigt. Wirklich überzeugen konnte ich nur mit einem einzigen Koffer-Muster, das spritzgegossen war.
 
Auf eigenes Risiko
 
Nach Jahren der Überzeugungsarbeit gaben sie uns schließlich den Auftrag, auf eigenes Risiko einen Koffer zu entwickeln, in dem ein DX-100 Gerät inklusive Zubehör Platz finden sollte.
 
Aber wer an seine Idee glaubt, scheut kein Risiko: Der erste Koffer wurde gebaut. Er wurde getestet. Und siehe da: Er bestand selbst die härtesten Kälte-Falltests. Die anschließende Entscheidung der Hilti-Konzernleitung, künftig sämtliche Produkte in einem speziell entwickelten Hilti Design-Koffer auszuliefern, war für uns Bestätigung und Herausforderung zugleich.
 
Auftrag des Lebens
 
Der siebenjährige Einsatz hatte sich gelohnt. Am 1. November 1972 erhielten wir von Hilti den Auftrag unseres Lebens: 110’000 Werkzeugkoffer pro Jahr zu fertigen. Unsere Antwort war klar: Wir werden alles daransetzen, termingerecht zu liefern. Damit begann eine langjährige Partnerschaft auf Augenhöhe, die PLASTON geprägt hat – und deren Ursprung in einer einfachen Idee lag, an die wir fest geglaubt haben.
 
Roland Frei
(Auszug und Nacherzählung aus der Familienchronik und dem Buch „Spuren“)
 
PS: Wir, die damalige Geschäftsleitung der PLASTON, hatten bei einem Bier im Anschluss beschlossen, dass wenn wir den HILTI-Kofferauftrag bekommen, wir alle einen Bart wachsen lassen. So war es abgemacht und auch eingehalten – siehe Foto.